Not-Verstärkung und Spitzengespräch

Vollsperrung der A45: Suche nach schnellen Lösungen

Arbeiter begutachten Talbrücke Rahmede
Mithilfe einer Not-Verstärkung könnte die Brücke in einigen Monaten für PKW freigegeben werden. Foto: Autobahn Westfalen

Stahlplatten, eine Schrankenanlage und ein Monitoring-System als Notlösung: Die Autobahn GmbH hat am Donnerstag, 9. Dezember, ein Konzept vorgestellt, wie die marode Talbrücke Rahmede notdürftig verstärkt und wieder für den Pkw-Verkehr freigegeben werden kann. Bei einem Spitzengespräch, zu dem unter anderem NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes erwartet wird, soll es am Montag, 13. Dezember, um mögliche kurzfristige Lösungen für die Verkehrsproblematik gehen, die die Vollsperrung der A45 für Lüdenscheid und die Region bedeutet. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer fordert "klare Signale".

Über mehrere Tage hatten Experten den Zustand der Talbrücke einer detaillierten Prüfung unterzogen. Das ernüchternde Ergebnis: "Die Brücke zeigt ein absolutes Versagen." So fasste es Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH, am Donnerstag in einer Videoschalte zusammen. Zwar seien die Schweißnähte in Ordnung und keine Risse gefunden worden. Aber: Der tragende Stahlbau weise an mehreren Stellen "dramatische Beulen", also Verformungen auf. Die schränkten die Tragfähigkeit der Talbrücke Rahmede so stark ein, dass Lkw das Bauwerk gar nicht mehr nutzen dürfen.

Nutzung für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen möglich

Allerdings habe die Prüfung auch ergeben, dass die Brücke zumindest für Fahrzeuge mit einem Gewicht von bis zu 3,5 Tonnen wieder genutzt werden kann. Allerdings muss der Stahlbau dafür zuvor an mindestens 80 beschädigten Stellen mit Stahlplatten verstärkt werden. Außerdem sollen Dehnstreifen angebracht und ein Monitoring-System installiert werden, das Bewegungen am Bauwerk und Beschädigungen sofort meldet. Die Planungen dafür laufen laut Sauerwein-Braksiek.

Drei bis vier Monate sollen die Arbeiten voraussichtlich dauern, "sofern uns die Witterung keinen Strich durch die Rechnung macht". Dazu gehört auch die Installation einer Schrankenanlage, die künftig verhindern soll, dass Lkw die Brücke befahren. Eine solche Lkw-Sperre und ein Monitoring-System kommen laut Autobahn GmbH bereits an der A43-Brücke über den Rhein-Herne-Kanal zum Einsatz, die ebenfalls nur noch eine stark verminderte Tragfähigkeit aufweist.

Um die Verkehrsbelastung für Lüdenscheid und die Region zumindest etwas abzumildern, werde der Fernverkehr bereits großräumig über digitale Hinweistafeln angekündigt und umgeleitet. Darüber hinaus kündigte Sauerwein-Braksiek einen "verstärkten Winterdienst" für die Umleitungsstrecken in Lüdenscheid an. Der Abbbau von Baustellen auf diesen Straßen und eine angepasste Ampelschaltung hätten zwar dabei geholfen, die Verkehrssituation ein Stückweit zu verbessern. Dennoch bleibe die Situation "für Lüdenscheid und den Märkischen Kreis eine Katastrophe", so Sauerwein-Braksiek weiter.

Die Talbrücke Rahmede
Bei einem Spitzengespräch mit NRW-Verkehrsministerin Ina Brandes am Montag, 13. Dezember, soll es um kurzfristige Lösungen zur Verbesserung der Verkehrssituation gehen. Foto: Autobahn Westfalen

Spitzengespräch im Rathaus mit NRW-Verkehrsministerin

Vor diesem Hintergrund findet am kommenden Montag ein Spitzengespräch im Lüdenscheider Rathaus statt. Daran nimmt neben der nordrhein-westfälischen Verkehrsministerin Ina Brandes (CDU) auch ein Experte des Bundesverkehrsministeriums teil. Zudem werden Vertreter von der Autobahn GmbH, von Straßen.NRW sowie Betroffene aus der Region im Ratssaal zusammenkommen. Dabei soll es nicht nur um kurzfristige Lösungen gehen, sondern auch um die Planung und den Bau einer neuen Talbrücke. Beides soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. "Ein normales Verfahren, das acht bis zehn Jahre dauert, können wir den Menschen hier nicht zumuten", sagte Sauerwein-Braksiek.

Das sehen auch Bürgermeister Sebastian Wagemeyer und Landrat Marco Voge so. "Die Vollsperrung der Brücke und der A45 haben dramatische Auswirkungen auf die Lebensqualität vor Ort", sagte Wagemeyer in der Videoschalte. Das gelte insbesondere für die Menschen, die entlang der Umleitungsstrecken wohnen, aber auch für diejenigen, die "davon betroffen sind, dass wir viel Verkehr in Nebenstraßen und verkehrsberuhigten Zonen haben".

Bürgermeister erwartet klare Signale

Darüber hinaus sei der Verkehr durch die Baustellen auf den Bundesstraßen 54, 229 und 236 ohnehin schon gelähmt. "Dieses Spitzengespräch ist dringend erforderlich und zwingend nötig", so Wagemeyer. Der Bürgermeister erwartet "klare Signale" und konkrete Hilfe der Autobahn GmbH und des NRW-Verkehrsministeriums.

In dieselbe Kerbe schlug Marco Voge. "Wir brauchen ein überregionales Verkehrskonzept", forderte der Landrat. Der Märkische Kreis sei als Industrieregion "darauf angewiesen, dass die Logistik funktioniert". Das gelte sowohl für die Unternehmen als auch für die Arbeitnehmer. Voge sprach sich für eine "enge Abstimmung" mit allen Baulastträgern aus - und dafür, "Tacheles zu reden". Immerhin gebe es entlang der A45 mehrere Talbrücken, die ebenso wie die jetzt gesperrte über das Rahmedetal in den 1960er und 1970er Jahren gebaut wurden.

Elfriede Sauerwein-Braksiek kündigte Untersuchungen an den rund 60 Talbrücken an, für die die Autobahn GmbH bundesweit zuständig ist. Die Direktorin der Niederlassung Westfalen zeichnete dabei ein düsteres Bild, denn die sogenannten Stahlverbundbrücken hätten bereits mehrere Jahrzehnte auf dem Buckel und seien für deutlich niedrigere Verkehrs- und Gewichtsbelastungen konzipiert worden. Und: "Je mehr Verkehr wir in der jetzigen Situation von Lüdenscheid ableiten, desto mehr steigt die Belastung natürlich auch für diese Brücken."

Lüdenscheid, 10. Dezember 2021