Brandschutzmängel: Grundschule Lösenbach muss zum kommenden Schuljahr umziehen

Planungen in enger Zusammenarbeit mit Schule und Eltern

v.l. Andreas Beckmann (Leiter Zentrale Gebäudewirtschaft), Gabi Sonnenschein (stellvertretende Schulleiterin), Matthias Reuver (Fachbereichsleiter "Jugend, Bildung, Sport"), Christine Schaumann (Schulleiterin), Kerstin Kotziers (Fachdienstleiterin "Schule und Sport") und Sven Haarhaus (Fachbereichsleiter "Zentrale Dienste").
v.l. Andreas Beckmann (Leiter Zentrale Gebäudewirtschaft), Gabi Sonnenschein (stellvertretende Schulleiterin), Matthias Reuver (Fachbereichsleiter "Jugend, Bildung, Sport"), Christine Schaumann (Schulleiterin), Kerstin Kotziers (Fachdienstleiterin "Schule und Sport") und Sven Haarhaus (Fachbereichsleiter "Zentrale Dienste").

Die rund 230 Schülerinnen und Schüler, die Lehrkräfte sowie das Betreuungspersonal der Grundschule Lösenbach müssen umziehen. Brandschutzexperten haben bei einer Prüfung festgestellt, dass das 1966 eröffnete Gebäude nicht mehr den aktuellen Anforderungen an den Brandschutz entspricht. Damit das Gebäude noch bis zum Ende des Schuljahres genutzt werden kann, wurden die Mängel in den Treppenhäusern, die im Brandfall als Rettungswege ausgewiesen sind, bereits durch Sofortmaßnahmen behoben. Schon seit 2010 verfügt die Schule außerdem über eine Brandmeldeanlage, die direkt mit der Feuer- und Rettungswache verbunden ist.

Trotz dieser kurzfristigen Maßnahmen ist es dennoch langfristig erforderlich, das gesamte Gebäude brandschutztechnisch zu ertüchtigen. Wie das aussehen kann und ob alternativ ein Neubau im Zuge der Erweiterung für den offenen Ganztag denkbar ist, sollen nun Untersuchungen zeigen.

Umzug an die Kaiserallee

"Weder bei Untersuchungen noch während der nachfolgenden Arbeiten kann der Schulbetrieb in dem Gebäude stattfinden", so Matthias Reuver, Leiter des Fachbereichs "Jugend, Bildung, Sport". Daher sollen die Kinder und ihre Lehrkräfte schon ab dem kommenden Schuljahr komplett in die ehemalige Albert-Schweitzer-Schule an der Kaiserallee umziehen. Derzeit wird das Gebäude noch von der Volkshochschule genutzt. Diese zieht aber im Sommer wieder zurück in die sanierten Räumlichkeiten im Alten Rathaus. "Mit dem Gebäude an der Kaiserallee haben wir ein Objekt, das sofort nutzbar ist und ausreichend Platz für alle Klassen und die Betreuungsangebote bietet. Andere ehemalige Schulstandorte oder provisorische Container-Lösungen sind nach einer Überprüfung durch die Zentrale Gebäudewirtschaft keine Alternativen. Die Schulleitung haben wir in diese Überlegungen eingebunden", sagt Sven Haarhaus, Fachbereichsleiter "Zentrale Dienste".

Arbeitsgruppe soll für schnelle Planung sorgen

Einziger Nachteil bei dieser Lösung: Der Schulweg für die Grundschulkinder vom Buckesfeld wird deutlich länger und nicht ohne eine Busfahrt möglich sein. Erste Gespräche mit der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) wurden bereits geführt, um eine möglichst direkte Busverbindung für die Schülerinnen und Schüler einzurichten.

Die Eltern wurden am Donnerstag, 13. Januar, über die Lage informiert. Die weiteren Planungen für den Umzug sollen nun in enger Abstimmung mit der Schule und den Eltern umgesetzt werden. Um die Planung und Umsetzung der Brandschutzmaßnahmen sowie die Erweiterung der Grundschule Lösenbach möglichst schnell voranzutreiben, hat die Stadtverwaltung eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese besteht aus Experten der Zentralen Gebäudewirtschaft (ZGW), des Fachdienstes "Schule und Sport", der Bauordnung und der Schulleitung. Weitere Stellen, wie zum Beispiel die Verkehrsplanung, werden themenbezogen eingebunden.

Bauweise aus den 1960er-Jahren

Die Brandschutzmängel waren bei baulichen Untersuchungen rund um eine mögliche Erweiterung des Gebäudes für ein flächendeckendes offenes Ganztagsangebot zu Tage getreten. Die Schule wurde Mitte der 1960er-Jahre in einem so genannten Brockhaus-System gebaut und ist mittels eines Stahl-Skelett-Systems errichtet. Die vierseitige Ummantelung der Stahlstützen des Gebäudes, die den Brandschutz sicherstellt, ist allerdings nur im sichtbaren Bereich des Gebäudes angebracht. An den nicht sichtbaren Bereichen der Träger, zum Beispiel in den Zwischendecken, fehlt die Ummantelung. So könnten sich Rauch und Feuer im Brandfall auf diesem Weg ausbreiten. In den Fluchtwegen - das sind in erster Linie die Treppenhäuser - wurde die Brandabschottung durch eine neu aufgebrachte Ummantelung bereits nachgerüstet und bei einem Rauchversuch überprüft. Das Ergebnis: Die Rettungswege sind nun bei einem Brand sicher abgeschottet. Bei einem kürzlich durchgeführten Testalarm konnten alle Kinder in nur etwa drei Minuten das Gebäude verlassen. "Das ist eine sehr gute Zeit, vor allem für eine Grundschule", sagt der ZGW-Leiter Andreas Beckmann.

Die Bauweise der Grundschule Lösenbach ist für Lüdenscheider Schulen einzigartig. Alle anderen Schulgebäude sind entweder massiv oder auf einer Stahl-Beton-Grundlage erbaut. Daher weist kein weiteres Gebäude ähnliche Brandschutzmängel auf.

Bekenntnis zum Grundschul-Standort

Die baulichen Maßnahmen an der Schule werden voraussichtlich mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Daher wird die Grundschule Lösenbach auch für längere Zeit ihren Standort verlassen müssen. Matthias Reuver versichert aber, dass im Zuge der Schulentwicklungsplanung auf lange Sicht an dem Standort am Buckesfeld festgehalten wird. Daher plant die Stadtverwaltung als Schulträger auf jeden Fall einen Erweiterungs- oder auch einen Neubau an diesem Standort. Dafür spricht auch die umliegende Infrastruktur mit Turnhalle und Schwimmbad. Diese Gebäudeteile können während der weiteren baulichen Maßnahmen am Schulgebäude weiter genutzt werden.

Lüdenscheid, 14. Januar 2022