Sprengung der Talbrücke wird noch geprüft

A45-Vollsperrung: Autobahn GmbH arbeitet "mit Hochdruck" an Ersatzneubau-Planung

Blick auf die gesperrte Talbrücke Rahmede.
Die Vollsperrung der maroden Talbrücke Rahmede bleibt eine gewaltige Herausforderung und Belastung für die Menschen und Unternehmen in Lüdenscheid und der gesamten Region. Foto: Susanne Schlenga / Autobahn GmbH

Die wohl wichtigste Frage blieb unbeantwortet: Ob die marode und gesperrte Talbrücke Rahmede gesprengt werden kann, wird derzeit noch geprüft. Voraussichtlich in der ersten Februar-Hälfte soll ein Gutachten vorliegen. Parallel dazu laufen diverse weitere Planungsschritte, Verhandlungen und Gespräche. Das hat die Autobahn GmbH am Montag, 31. Januar, nach dem zweiten Spitzengespräch zur Vollsperrung der A45 bei Lüdenscheid mitgeteilt. Bürgermeister Sebastian Wagemeyer forderte Bund und Land erneut eindringlich dazu auf, die Menschen und Unternehmen vor Ort schnell zu unterstützen - und zwar sowohl finanziell als auch bei der Reduzierung des Schwerlastverkehrs.

"Wir haben Termine mit Sprengexperten vor Ort gehabt und warten jetzt auf ein Machbarkeitsgutachten", sagte Elfriede Sauerwein-Braksiek. Die Direktorin der westfälischen Niederlassung der Autobahn GmbH betonte, dass "hier Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gehen müsse, denn "unter und neben der Brücke leben und arbeiten Menschen". Die Sprengung der Brücke wird berechnet und per Computer simuliert. Mit den Ergebnissen der Untersuchungen rechnet Sauerwein-Braksiek in den nächsten 14 Tagen. Sollte eine Sprengung nicht möglich sein, müsste die Brücke Stück für Stück abgebaut werden. In diesem Fall würde der Ersatzneubau neben dem jetzigen Bauwerk errichtet und dann "eingeschoben" werden.

Die Autobahn GmbH arbeitet der Direktorin zufolge für beide Szenarien "mit Hochdruck" daran, die Grundlagen für einen möglichst schnellen Abriss und Neubau zu schaffen. Dazu gehörten Verhandlungen mit Grundstückseigentümern, die "bislang sehr positiv" liefen. Sobald Verträge über den Kauf und die temporäre Nutzung von Boden unterzeichnet seien, könne die Autobahn GmbH Bohrungen zur Untersuchung des Baugrunds und die Errichtung von Baustraßen in Auftrag geben, so Sauerwein-Braksiek. Die Planungen dafür sowie für Brückengewerke und die Entwässerung der neuen Brücke liefen ebenfalls. Erste Unterlagen habe die Autobahn GmbH bereits an das zuständige Fernstraßenbundesamt und das Bundesverkehrsministerium geschickt.

Wagemeyer fordert schnelle und umfassende Hilfen

Der Ersatzneubau soll möglichst in der Trasse der jetzigen Brücke errichtet und die Eingriffe in die Natur generell so gering wie möglich gehalten werden. Die Autobahn GmbH hofft, damit eine Befreiung von der obligatorischen Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu erreichen - und ein beschleunigtes Plan-, Genehmigungs- und Bauverfahren. Vor diesem Hintergrund liefen Gespräche mit Umweltbehörden und Naturschutz-Organisationen zur Umsiedlung von Fledermäusen, Wanderfalken und Haselmäusen, die in und unter der maroden Talbrücke ihre Quartiere haben und besonders geschützt werden müssen. Laut Sauerwein-Braksiek gebe es bereits "konkrete Planungen" für Ausweichstandorte.

Anschließend erneuerte Sebastian Wagemeyer seinen Appell an Bund und Land, schnell und umfassend Hilfe zu leisten. Lüdenscheids Bürgermeister nannte zwei zentrale Forderungen. Die erste: die weitere Reduzierung des Schwerlastverkehrs im Stadtgebiet. Noch immer seien zu viele Lkw im Stadtgebiet unterwegs, auch fernab der Umleitungsstrecken. Das bedeute nicht nur immense Belastungen für die Straßen, sondern auch deutlich mehr Verkehrslärm und Luftverschmutzung. Und außerdem Schäden an Zäunen, Gärten und teilweise auch Gebäuden. "Es kann nicht sein, dass unsere Bürgerinnen und Bürger dann auf fünfstelligen Schadenssummen sitzenbleiben und von der Versicherung hochgestuft werden", so Wagemeyer.

"Viele Menschen sind mit ihren Nerven am Ende"

Seine zweite Forderung: schnelle finanzielle Hilfen. "Wir haben hier viele Menschen, die nach acht Wochen Vollsperrung mit ihren Nerven und ihrer Gesundheit am Limit sind, weil sie kaum noch Schlaf finden", schilderte der Bürgermeister die Situation der Anwohner. Zudem verwies er auf Gewerbetreibende, die "vor den Scherben ihrer Existenz sitzen und nicht mehr weiter wissen". Diese Menschen bräuchten Hilfe - und zwar "nicht erst in zwei, drei Monaten, sondern schnell".

Mit Ausgleichszahlungen allein sei es aber nicht getan, stellte Wagemeyer klar und forderte Investitionen in Lüdenscheid und Südwestfalen: "Es geht hier um die Zukunfts- und Überlebensfähigkeit einer ganzen Region." Das unterstrich auch Landrat Marco Voge mit drastischen Worten. Die Corona-Pandemie und die Hochwasser-Katastrophe hätten Menschen und Industrie bereits hart getroffen. Die Vollsperrung der A45 aber könne "der Sargnagel für unsere Region" sein, wenn Bund und Land jetzt nicht schnell handelten.

NRW-Minister Pinkwart und Brandes sagen Unterstützung zu

Hoffnung auf schnelle Unterstützung machte NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, der besonders betroffenen Unternehmen finanzielle Unterstützung zusicherte. Dafür sei aber auch der Bund gefordert. Außerdem forderte Pinkwart eine "entscheidungsfreudige und ehrgeizige Planung" für den Neubau.

Ina Brandes dagegen kündigte bauliche Maßnahmen für Brücken an, die im Volmetal über die B54 führen. Dadurch könnte die Bundesstraße als Umleitungsstrecke genutzt werden. Die NRW-Verkehrsministerin kündigte außerdem ein weiteres Gespräch mit der Deutschen Bahn an. Nach Möglichkeit sollen mehr Gütertransporte auf die Schienen verlagert werden. Weitere Punkte, die laut Brandes geprüft werden sollen: Lärmschutzmaßnahmen in Lüdenscheid und der Ausbau des ÖPNV-Angebots.

Lüdenscheid, 31. Januar 2022