Zuversicht trotz offenem Sprengtermin

A45-Spitzengespräch: Grundstücksverhandlungen im Bereich der Talbrücke abgeschlossen

Pressekonferenz.
Fassten die Ergebnisse des Spitzengesprächs in der Pressekonferenz zusammen: (von links) Oliver Luksic (Bundesverkehrsministerium), Bürgermeister Sebastian Wagemeyer sowie Stephan Krenz und Elfriede Sauerwein-Braksiek von der Autobahn GmbH. Foto: Sven Prillwitz

Die letzten Grundstücksverhandlungen sind abgeschlossen. Damit kann die Autobahn GmbH jetzt nach eigenen Angaben in die finale Planungs- und Vorbereitungsphase für die Sprengung der maroden Talbrücke Rahmede einsteigen. Dass dafür noch kein konkreter Termin benannt werden kann, sei zwar "ein Stück weit enttäuschend", sagte Sebastian Wagemeyer in der Pressekonferenz, die am Mittwoch, 15. November, auf das A45-Spitzengespräch folgte. Dennoch warb Lüdenscheids Bürgermeister um Vertrauen und Zuversicht - auch angesichts einiger guter Neuigkeiten.

Ja, es wäre wichtig zu wissen, wann genau die Talbrücke gesprengt werden soll, so Wagemeyer. Weil das mit einer mehrwöchigen Vollsperrung der Altenaer Straße einhergehe. Weil die Erreichbarkeit des Stadtteils Dickenberg/Rathmecke gewährleistet sein müsse. Und weil die dort lebenden und arbeitenden Menschen über das dafür vorgesehene Verkehrskonzept informiert werden müssten. Aber: "Es würde kein Vertrauen schaffen, wenn jetzt ein Sprengtermin in die Welt gesetzt werden würde, der nicht gehalten werden kann", gab der Bürgermister zu bedenken.

Immerhin: Die Verzögerung der ursprünglich für Mitte Dezember geplanten Sprengung habe keinerlei Auswirkungen auf den Zeitplan für den Neubau, so Wagemeyer. Beide Verfahren liefen parallel und unabhängig voneinander. Das bestätigten sowohl die Autobahn GmbH als auch das Bundesverkehrsministerium. Bei beiden Behörden herrschte außerdem Erleichterung darüber, dass die letzten Verhandlungen mit Eigentümern von Grundstücken, die unmittelbar im Bereich der Talbrücke liegen, nun abgeschlossen seien. Damit könnten jetzt auch auf diesen Grundstücken die Untersuchungen des Baugrunds und danach die Einrichtung von Baustraßen beginnen, erklärte Elfriede Sauerwein-Braksiek, Direktorin der westfälischen Niederlassung der Autobahn GmbH.

85.000 Tonnen und 55 Seehafen-Container

Die abgeschlossenen Verhandlungen ermöglichen nun auch die Vorbereitung von Schutzmaßnahmen für die Sprengung. Wie gewaltig diese Herausforderung ist, verdeutlichte Stephan Krenz, Geschäftsführer der Autobahn GmbH: Unter der Talbrücke - auch in den "alpinen Hängen" - soll ein rund sieben Meter hohen Fallbett angeschüttet werden, das nach der Sprengung die Erschütterungen der herabstürzenden Brückenteile dämpfen und die umstehenden Gebäude vor Schäden bewahren soll. Vor allem der mit Gefahrenstoffen arbeitende Galvanikbetrieb, der sich neben der Brücke befindet und dessen Bewässerungsanlage jetzt neu verlegt werden muss, müsse gut abgeschirmt werden, so Krenz.

Insgesamt 55 Seehafen-Container sollen dafür aufgestellt und mit Sand gefüllt werden, erklärte Stephan Krenz, Geschäftsführer der Autobahn GmbH. Außerdem müssten rund 85.000 Erde und Schutt angeliefert und aufgeschüttet werden - und nach der Sprengung wieder abtransportiert, die Trümmerteile der Brücke inklusive.

Förderung über 7,5 Millionen Euro und neue Leitung für "Brückenbauer"-Büro

Die Vorbereitungen unter der Talbrücke und in den Hängen laufen seit einigen Wochen - und zwar deutlich sichtbar und "auf Hochtouren", sagte Sebastian Wagemeyer. Er bescheinigte der Autobahn GmbH "eine extrem gute und extrem positive Zusammenarbeit". Deshalb sei es jetzt nicht nötig, weiteren Druck aufzubauen. Stattdessen warb der Bürgermeister um Vertrauen in die Arbeit der Bundesbehörde.

Drei gute Neuigkeiten hatte Wagemeyer ebenfalls mitgebracht:

  • Die angekündigte Tempo-30-Regelung für diejenigen Abschnitte der A45-Umleitung, die direkt an Wohnhäuser grenzen, soll demnächst eingeführt werden. "Unsere Verkehrsplaner befinden sich in der in finalen Abstimmungen mit dem Land", sagte Wagemeyer. Die Reduzierung der Höchstgeschwindigkeit soll die Lärmbelastung für Anwohner reduzieren und die Verkehrssicherheit erhöhen.
  • In Lüdenscheid soll ein Lernzentrum für kreative Technologien und digitales Arbeiten entstehen. Dafür sei der Stadtverwaltung eine Förderung in Höhe von rund 7,5 Millionen Euro aus Bundesmitteln zugesagt worden, freute sich Wagemeyer: "Das ist ein zentraler Baustein für die Bildungslandschaft in Lüdenscheid." Weitere Informationen hierzu sollen demnächst veröffentlicht werden.
  • Die Nachfolge von Mario Bredow, der zum Jahresende als Leiter "Brückenbauer-Büros" ausscheidet, ist laut Wagemeyer geklärt. Damit sei der gewünschte "nahtlose Übergang" ebenso gewährleistet.

Gleichzeitig erneuerte Wagemeyer seine Forderungen an Land und Bund, Lüdenscheid bei der Bewältigung der schwierigen Verkehrssituation und ihrer Folgen umfassend zu unterstützen. Dazu gehörten zum einen Maßnahmen, mit denen sich der reine Durchgangsverkehr von Lkw reduzieren lässt. Zum anderen brauche es ein zukunftsfähiges Konzept für die Sanierung und Wiederherstellung der über die Maßen beanspruchten Straßen - auch für die Zeit nach der Fertigstellung der neuen Brücke. Stadt und Region müssten "zukunftsfähig aufgestellt" sein, stellte Wagemeyer klar.

Luksic: "Funktionales Verfahren" soll Neubau beschleunigen

Optimismus verbreitete das Bundesverkehrsministerium in Person von Oliver Luksic. "Alle Beteiligten arbeiten mit absolutem Hochdruck zusammen", sagte der parlamentarische Staatssekretär. Vin der sogenannten "funktionalen Ausschreibung" von Planung und Neubau der Talbrücke Rahmede, also der Vergabe beider Projekte also an eine einzige Firma, verspricht sich Luksic ein erhöhtes Tempo bei der Umsetzung des Großprojekts. Dass der Auftrag zudem an das Unternehmen vergeben wird, das nicht nur das finanziell beste Angebot vorlegt, sondern auch den schnellsten Zeitpunkt der Fertigstellung nennt, soll den Neubau ebenfalls erheblich beschleunigen.

Zu dem "A45-Spitzengespräch" im Konferenzraum der Stadtwerke Lüdenscheid hatte das "Brückenbauer-Büro" eingeladen. Neben Mitarbeitenden des Bundesverkehrsministeriums, der Autobahn GmbH und der Stadtverwaltung nahmen auch heimische Bundes- und Landtagsabgeordnete, Ratsmitglieder sowie Vertreterinnen und Vertreter aus der Wirtschaft teil.

Lüdenscheid, 16. November 2022