Aus der Sicht des modernen Manschen sind viele Pflanzen wertlos: Sie sich nicht essbar, es kann nichts aus ihnen hergestellt werden, und sie glänzen nicht spektakulären Farben. 

Außerdem wachsen sie im Vergleich zu Zier- und Nutzpflanzen wesentlich besser und nehmen diesen Nährstoffe und Lebensraum. Also werden sie gemäht, gehackt, gejätet, verbrannt und vergiftet. 

In früheren Zeiten war es sinnvoll, um die kleinen Siedlungsinseln im großen mitteleuropäischen Wald Gürtel aus Äckern und Wiesen anzulegen, in denen nur nutzbare Pflanzen gedeihen durften. Diese Gürtelzone war eine Nahrungsgrundlage und bedeutete wegen ihrer Überschaubarkeit Sicherheit. 

Das Bedürfnis, ein absolut kontrollierbare Zone um unsere Wohnstätten herum anzulegen, tragen wir seitdem in uns – mit dem Unterschied, dass heute in der vom Menschen beherrschten Kulturlandschaft nur noch kleine wilde, naturnahe Inseln zu finden sind, die immer mehr an Fläche verlieren. 

Die Entwicklung des Menschen hat aber gerade durch die Auseinandersetzung mit der vielfältigen, zunächst unbeherrschbaren Umwelt stattgefunden. 

Wenn diese jetzt zunehmend ausstirbt, stirbt dann auch ein Teil von uns? - Stimmen Rasen-Koniferen-Gärten wirklich das Bedürfnis nach „Natur“ im Siedlungsbereich? -

Macht der Anblick gepflasterter Hofplätze mit grauen Fugen zufrieden? – Warum finden wir Bauerngärten romantisch? – Können Wildpflanzen uns vielleicht einen Nutzen bringen, den wir vergessen haben? 

Diese Broschüre soll nicht nur Gartenbesitzern Anregungen geben, sich Wildpflanzen einmal genauer anzusehen, Rückschlüsse aus ihrem Auftreten auf den Zustand des Bodens zu ziehen, sich die Heilwirkung vieler Wildpflanzen vor Augen zu führen, sich vielleicht ein Wildpflanzen-Kochbuch zuzulegen und aus „Liebe auf den zweiten Blick“ dem einen oder anderen Wildkraut doch einen Platz im Garten oder in der Pflasterritze gewähren.