Foto Einjährige Wildpflanze
Purpurrote Taubnessel, Lamium purpureum

Sie sind diejenigen unter den Wildpflanzen, die den Gärtner meisten beschäftigen: Kaum ist ein Beet gejätet und geharkt, schon keinem erneut die ersten einjährigen Kräuter wie Vogelmiere, Kamille und Hirtentäschel. 

Bei genauer Betrachtung ist jedoch erkennbar, dass diese Kräuter eine ganz gewitzte Überlebensstrategie verfolgen, und es werden Möglichkeiten deutlich, wie der „Kräutersegen“ eingedämmt werden kann:
Offene Böden gibt es in Mitteleuropa natürlicherweise nur an wenigen Stellen, z.B. abgeschwemmten Flussufern, vielbenutzten Wildwechseln, Berghängen nach einem Erdrutsch oder auf Wurzeltellern entwurzelter Bäume. 

Diese offenen Böden sind Narben in der Vegetationsdecke und eine Herausforderung an alle Pflanzenarten, sich dort anzusiedeln. 

Einjährige Pflanzen können sich nicht bzw. schlecht gegen mehrjährige Stauden oder gar Sträucher und Bäume durchsetzen. Ist die Vegetationsdecke geschlossen, liegen darunter im Boden die Samen der Einjährigen und warten auf ihre Chance. Kaum ist jedoch eine Lücke entstanden, dringen Licht und Wasser vermehrt in den Boden ein und die Keimung nicht nur der Einjährigen setzt ein. 

Die Strategie zur erfolgreichen Besiedlung in nun ihre immens schnelle Entwicklung: Einjährige durch laufen ihren Entwicklungszyklus so schnell, dass sie schon wieder Samen produziert haben, bevor andere Arten beginnen, zu blühen. Wenn die Stauden endlich so groß sind, dass sie die Einjährigen verdrängen, liegen deren Samen schon längst wieder in vermehrter Anzahl im Boden und warten auf bessere Zeiten. Geduld haben sie: Gänsefuß-Samen bleiben nachweißlich bis zu 1300 Jahre lang keimfähig. 

Die Einjährigen erfüllen also als Pionierpflanze an offenen Stellen eine sehr wichtige Funktion: Durch die schnelle Durchwurzelung wird der Boden festgehalten und kann nicht mehr durch Regen und Wind abgetragen werden. Nachfolgende Stauden und Sträucher geben dem Boden endgültig Halt. 

Nun wird das Problem au Gartenböden deutlich: Der Mensch reißt ständig große Lücken in die Vegetationsdecke, und die Pflanzen sind bemüht, diese so schnell wie möglich wieder zu schließen. 

Man kann der Keimung aber auf einfache Weise verhindern: Mulcht man mit Grasschnitt oder mit noch nicht samentragender Wildpflanzen, „glauben“ die Samen im Boden, die Vegetationsdecke sei intakt und die Gelegenheit zum Keimen noch nicht gekommen. Manchmal kann ein Trick eine Menge Arbeit sparen.