Foto Große Brennessel
Große Brennnessel - Urtica dioica

Für viele ist sie das „Un“-kraut schlechthin: die Brennnessel. Sie wächst an stickstoffreichen Standorten wie Kompost- oder Misthaufen und bildet durch Ausläufer dichte, bis 1,5m hohe Bestände. 

An ihren natürlichen Wuchsorten ist sie Bestandteil von Uferstaudengesellschaften. Ihre Ausläufer dienen hier, ebenso wie die des Gierschs, zur Befestigung des Bodens. Im Garten zeigt die Brennnessel stickstoffreiche, feuchte Standorte an. 

Das brennende Gefühl nach einer Berührung der Blätter entsteht durch winzige Brennhaare, die eine stark hautreizende Flüssigkeit enthalten. Die Brennhaare sind wie eine Spritzenkanüle mit einem runden Köpfchen gebaut. Bei Berührung bricht der Kopf an, und die Kanüle dringt tief in die Haut ein. 

Trotz- oder gerade wegen – ihrer Eigenschaften ist die Brennnessel dem Menschen nützlicher als manche Nutzpflanze: Brennnesselblätter enthalten viel Vitamin A und C, Eisen und Spurenelemente. Sie werden daher als Heilmittel unter anderem gegen Mangelerscheinungen eingesetzt. Eine wirksame, wenn auch unangenehme Behandlungsmethode gegen Rheuma ist das Schlagen der Haut mit Brennnesseln. 

Gerichte aus Brennnesselblättern sind eine Bereicherung für die Küche: Sobald junge Brennnesselblätter mit Öl in Berührung kommen oder gedünstet werden, verlieren sie ihre Brennwirkung. Die können dann als Gemüse, Suppe oder Salat verzehrt werden. Ein gesundes Feinschmeckervergnügen, das die Raupen von über 25 Tagfalterarten schon lange entdeckt haben. 

Im Mittelalter stellte man aus den Fasern der Stängel Stricke, Netze und auch Gewebe her. Außerdem heilt man die Brennnessel für ein Abwehrmittel gegen böse Mächte. 

Ein Mittel zur Abwehr von Blattläusen ist die Brennnessel auf jeden Fall: Eine Jauche aus Brennnesseln, Schachtelhalm und Hirtentäschel ist ein zuverlässiges Spritzmittel, wenn sie regelmäßig und nicht erst bei akutem Befall angewendet wird. Außerdem stärkt sie die Abwehrkräfte der Pflanzen. Nachteilig ist der Gestank der Jauche, die weiterhin aber garantiert keine Nebenwirkungen entwickelt. 

Brennnesseln begegnen uns jedoch auch an Orten, an denen sie natürlicherweise nicht vorkommen würden, so z.B. im Wald. 

Ein weit verbreiteter Irrtum ist es, Gartenabfälle in den Wald zu bringen, da diese nur „Natur“ sind, die „zurückgegeben“ wird:
Gartenabfälle erhöhen den Nährstoffgehalt des Waldbodens und fördern so Pflanzen wie die Brennnessel, die in einem intakten Wals nicht auftreten würden. Die in den Gartenabfällen enthaltenen Ableger von nicht einheimischen Pflanzen verfälschen die Artenzusammensetzung des Waldes noch zusätzlich. Gartenabfälle, die nicht im eigenen Garten kompostiert werden können, gehören in die braune Tonne oder in die Sammelcontainer für Grünabfälle.