Foto Schwarzer Holunder
Sambucus nigra

Im Juni leuchten an Waldrändern und Hecken die weißen Blütendolden des Schwarzen Holunders. Spaziergänger genießen den Anblick und den schweren Duft. Auf den Holunderblüten finden sich zahlreiche Insekten ein, die den reichhaltigen Pollen fressen und gleichzeitig die Blüten bestäuben. 

In Dorf und Stadt ist der Schwarze Holunder heute eher unbeliebt: Vögle fressen die Beeren und verbreiten den Strauch in jeder Pflasterritze. Es gilt als Pflanze der Bahndämme und Brachflächen und ist häufig an „wilden“ Gartenabfalldeponien zu finden, da er stickstoffreichen Boden bevorzugt. 

Dabei hält der Schwarze Holunder jeden Vergleich mit anderen Obstsorten stand: Die Früchte enthalten viel Vitamin C und können zu Mus oder Saft gekocht werden. Roh sind sie allerdings ungenießbar und führen zu Magen- und Darmbeschwerden. Das Mus ist dagegen nicht nur ein gesunder Nachtisch, sondern auch hilfreich bei Darmentzündungen. 

Doch auch die Blüten sind essbar: Sie werden vor allem in Süddeutschland in Teig getaucht und ausgebacken. Getrocknet und als sogenannter „Fliedertee“ verabreicht sind die wirksam geben Fieber, Erkältungen und stärken die Abwehrkräfte. 

In Europa begleitete der Schwarze Holunder den Menschen durch seine Entwicklung: Holunderkerne wurden bei Ausgrabungen von Steinzeitsiedlungen gefunden. Bei den Germanen war der Holunder der Hausgöttin „Frau Holle“ geweiht. Im Mittelalter herrschte die Überzeugung, dass der, der einen Holunderbusch fällt, innerhalb von drei Tagen sterben muss. In Nordeuropa wird aus Holunderblüten und Bier ein Liebestrank gebraut, der Verliebte in Jahresfrist zum Heiraten bringen soll. 

Eine alte westfälische Bauernweisheit besagt, dass man vor dem Holler den Hut ziehen soll.