Gewöhnliche Nachtkerze - Oenothera biennis

Foto Gewöhnlich Nachtkerze
Gewöhnliche Nachtkerze - Oenothera biennis

Von Juni bis September ist in der Abenddämmerung ein Schauspiel zu beobachten, das verdeutlicht, zu welch schnellen Bewegungen Pflanzen fähig sind: Die Blüten der Gewöhnlichen Nachtkerze öffnen sind.                     

Sobald die Beleuchtung schwächer wird, reißen zunächst die grünen Hüllen der Kelchblätter an der Spitze auf, so dass die gelben Blütenblätter darunter erkennbar werden. So verharren die Blütenknospen der Nachtkerze noch eine Weile, bis plötzlich eine Knospe nach der anderen ein Ruck durchfährt, die Kelchblätter auseinander gedrückt werden und gegen den Blütenstiel zurückklappen. Gleichzeitig entrollen sich die vorher ineinander gedrehten vier Blütenblätter. 

Dieser Vorgang spielt sich in weniger als einer Minute ab. Nach wenigen weiteren Minuten hat sich dann die kelchförmige Blüte ausgeformt und strömt einen schweren, süßlichen Duft aus, der Nachtschmetterlinge anlockt. Diese bestäuben die Blüten. Am Abend des nächsten Tages ist die Befruchtung abgeschlossen und die Blüten welken, während sich schon die nachfolgenden öffnen. An günstigen Standorten können Nachtkerzen über zwei Meter hoch werden. Solche Prachtexemplare haben neben der Hauptachse noch mehrere aufstrebenden Seitenäste und sehen erblüht aus wie ein Kronleuchter voller heller Kerzen. 

Die gewöhnliche Nachtkerze stammt aus Nordamerika. Samen wurden zu Beginn de 17. Jahrhunderts in den botanischen Garten von Padua gebracht. Von dort aus hat sich die Gewöhnliche Nachtkerze über ganz Süd- und Mitteleuropa ausgebreitet. Schon 1755 wurde sie als Neueinwanderer in Westfalen beschrieben. 

Nachtkerzen wurden um 1800 auch als Gemüsepflanzen gezogen. Aus ihrer fleischigen Wurzel können Salate, Suppen und auch warme Speisen bereitet werden. Es gibt eine große Anzahl von Unterarten der Gewöhnlichen Nachtkerze, von denen einige besonders großwüchsige Sorten auch in Gärten zu finden sind.