Foto Gewöhnliches Leinkraut
Gewöhnliches Leinkraut - Linaria vulgaris

Das gewöhnliche Leinkraut gehört zur Familie der Rachenblütler. Bei näherer Betrachtung der Blüten ist dieser „Familienname“ gut nachvollziehbar: Die Blüte ist in eine weißgelbe „Oberlippe“ und eine „Unterlippe“ mit leuchtend orangem Höcker geteilt. 

Unter der Oberlippe sind viel Staubblätter und die Narbe verborgen. Nach unten ist die Blüte zu einem langen, mit Nektar gefüllten Sporn ausgezogen. Die Lippen liegen dicht zusammen und verschließen auf diese Weise den rachenähnlichen Sporn. 

Diese Anordnung stellt Insekten vor ein Problem: Um an den Nektar im Sporn zu gelangen, müssen sie sich zwischen den „Lippen“ hindurchzwängen. Nur Bienen und Hummeln sind hierzu kräftig genug. Dabei reiben sie sich an den Staubblättern und der Narbe und bestäuben so die Blüten. Einige Bienen haben eine Technik entwickelt die nicht im Sinne des pflanzlichen Erfinders liegt: Sie beißen den Sporn von außen an und gelangen so ohne Bestäubungsdienste an den Nektar. 

Das Gewöhnliche Leinkraut besitzt schmale längliche blaugrüne Blätter, die denen des Saat-Leins (Flachs, lateinisch Lium) Ähneln, daher der Gattungsname „linaria“. 

Es ist an steinigen, warmen, sonnigen Plätzen wie Weg- und Ackerrändern zu finden. Hier bildet es eine tiefe Pfahlwurzel und Nebenwurzeln aus, die den offenen Boden vor Abtragung schützen. 

Das gewöhnliche Leinkraut enthält Flavonglykoside und ist schon lange als Heilkraut bekannt. Es wirkt harntreibend und abführend. Früher wurde es auch zum Blondfärben der Haare benutzt. 

Im Garten kann es steinige Plätze verschönern an denen sonst kaum Pflanzen gedeihen. Es blüht von Juni bis Oktober und ist somit eine der letzten Nahrungsquellen für Bienen und Hummeln im Herbst.